Ein Besuch bei Edelweiss

Heute habe ich die Edelweiss Parkett Manufaktur besucht. Während meiner eigenen Ausbildung zur Produktdesignerin durfte ich viele Produktionsstätten in Deutschland, aber auch in andere Ländern Europas sowie China und Indien besuchen. Aber ich habe mich nirgends auf Anhieb so wohl gefühlt wie bei Edelweiss. Wer hier nach grauen Fliessbandarbeitern und ausgebleichten Pin-up Postern sucht, ist fehl am Platz. Statt dessen sieht man strahlende Mitarbeiter und Hello Kitty.

Statt Pin-Ups hängen bei Edelweiss die schönsten Lumpen zum polieren der Böden an den Wänden.

Ich trete durch eine unscheinbare Tür und stehe im Lager von Edelweiss. Dieses wird von Sascha dem „Chef“ geleitet. Ich schreibe „Chef“ in Anführungszeichen, weil seine Kollegen ihn so nennen. Er ist jung, cool und dynamisch und ganz anders, wie ich mir einen Lagerchef vorstellen würde. Seit Sacha das Lager leitet, geschehen weniger Fehler, erzählt mir später ein Kollege von ihm, und das Team ist motivierter.

Sascha ist im Lager mit seinem Roller unterwegs. Fabian (l.) ist im Aussendienst, Ahmet (r.) arbeitet im Lager

Im Musterlager habe ich Olaf Ortlepp getroffen. Olaf baut die Ansichtsplatten für die Ausstellungsräume, welche in der ganzen Schweiz ausgestellt werden. Da ich selbst Deutsche bin, habe ich sofort seinen Thüringer Dialekt herausgehört. Bei Edelweiss arbeitet der gelernte Werkzeugbauer schon lange. Das erste Mal mit Parkett in Berührung kam er im Betrieb seines Bruders. Die Fabrik lag im damaligen Ostdeutschland, aber vom Fenster aus konnte er sogar in den Westen schauen, erzählt mir Olaf lachend.

An der Einschweissmaschine arbeitet Giuséppé. Er kommt aus Süditalien und ich frage ihn, was ihn in die kalte Schweiz verschlagen hat. Giuséppé hatte seine eigene Firma in Italien, die aber leider nicht mehr so gut lief. Jetzt arbeitet er monatsweise bei verschiedenen Firmen in der Schweiz. Er macht gerade einen deutschen Sprachkurs und beklagt sich, dass der Kurs nur auf Hochdeutsch ist. Damit kann er bei seinen Kollegen nicht so viel anfangen. Die Brocken Schweizerdeutsch die er spricht, klingen für meine ungeschulten Ohren perfekt. Aber bald ist Sommer, dann fährt Giuséppé nach Hause zu seiner Familie und kann endlich wieder Italienisch sprechen.

Das Herzstück der Firma liegt bei der Oberflächenbeschichtung. Gerade läuft die Ölstrasse nicht, aber Bruno, der Leiter dieser Wundermaschine, poliert einige Latten mit der Hand.

Da ich alleine durch die Fabrik schleichen durfte, habe ich ein paar Ecken entdeckt, welche mich mehr an ein Dornröschenschloss erinnerten als an eine Fabrik. Parkett aus Rosenholz gibt es allerdings noch nicht… aber was nicht ist, kann ja noch werden. 

Pia Matthes